Getestet nach 25 Stunden

Ein überfluteter Planet, eine einsame Maschine und die Zukunft der Menschheit. Wir haben nach 25 Stunden im Early Access die Sicherungen überprüft und verraten im Test, ob der Survival-Geheimtipp das Zeug zum Genre-König hat.

Es gibt diese Spiele, die einen im ersten Moment mit vertrauten Survival-Floskeln begrüßen, nur um uns kurz darauf eiskalt zu erwischen. The Last Caretaker vom Indie-Entwickler Channel37 ist genau so ein Kandidat. Auf den ersten Blick wirkt die triste, im Ozean versunkene Postapokalypse wie eine Mischung aus bekannten Genre-Vertretern. Doch wer hier nur nach schnöden Hunger- und Durstanzeigen sucht, greift weit zu kurz. Nach 25 intensiven Stunden auf hoher See und in verlassenen Fabrikruinen steht fest: Dieses Abenteuer ist kein stupider Grind, sondern ein hochkomplexes, atmosphärisches Fest für echte Tüftler.

Ein Roboter und seine unlösbare Aufgabe

Die Prämisse ist so simpel wie packend: Wir erwachen als der letzte aktive „Caretaker“ – eine robotische Pflegekraft, deren einzige Mission es ist, die verbliebenen menschlichen Embryonen-Samen zu bergen, im sogenannten Lazarus-Komplex aufzuziehen und schließlich per Rakete ins All zu befördern. Kein lautes Intro, keine störenden Zwischensequenzen. Das Spiel überlässt das Storytelling komplett der packenden Spielwelt selbst. Rostige Werkzeugkästen, verblasste Logbücher früherer Maschinen-Generationen und die schiere, bedrückende Stille erzählen uns mehr über den Untergang der Erde, als es jedes Render-Video könnte.

Die Kunst des Strippenziehens (Gameplay)

Das Herzstück von The Last Caretaker ist nicht der Kampf (der erfreulich dezent ausfällt), sondern das Ressourcen- und Energiemanagement. Wo andere Survival-Spiele uns das x-te Holzschwert craften lassen, verlegen wir hier glühende Stromkabel, überbrücken marode Generatoren und balancieren Energienetze aus. Das Spiel verzeiht dabei wenig. Wer nicht aufpasst, überlastet das System und steht plötzlich komplett im Dunkeln. Jedes einzelne Modul, jede Lampe und jedes Heizsystem will clever durchdacht sein.

Mit dem jüngsten großen Inhalts-Update haben die Entwickler dem Spiel einen massiven Schub verpasst. Highlight meiner Testphase war ganz klar der Bau des neuen Salvage Gyrocopters. Sobald man sich das erste Mal mit dem klapprigen Fluggerät von den Wellen erhebt, um neue Service-Türme und den riesigen Saatgut-Tresor zu erkunden, entfaltet das Spiel eine beispiellose, fast schon meditative Faszination.

Grafik

Optisch präsentiert sich der Titel in einer wunderschönen, leicht melancholischen Endzeit-Ästhetik. Die Licht- und Wettersimulationen auf dem Wasser sind fantastisch gelungen. Das Spiel fängt die Stimmung der verlassenen Welt makellos ein, während die liebevoll gestalteten Retro-Futurismus-Details der UI und Maschinen ein stimmiges Gesamtbild abliefern.

Performance

Auf unserem Testsystem (Ryzen 7 5700X, RTX 3080) lief das Spiel in 1080p bei hohen Details größtenteils butterweich mit stabilen FPS. Nur vereinzelte Physik-Bugs trübten den Eindruck minimal, wenn sich Fahrzeuge oder Boote an Plattform-Kanten verhakten. Hier müssen die Entwickler im Early Access noch etwas an den Stellschrauben drehen, um frustrierende Momente ganz auszuschließen.

Sound

Auch der Sound trägt einen riesigen Teil zur dichten Atmosphäre bei. Minimalistische Maschinenklänge, das beruhigende, aber auch bedrohliche Wellenrauschen und der dezente Soundtrack greifen wunderbar ineinander und erzeugen eine glaubhafte Klangkulisse.

Zwischenzeit nach 25 Stunden

Nach 25 Stunden Spielzeit zeigt sich The Last Caretaker als ein sehr gut gelungenes, ungemein atmosphärisches Erlebnis. Das Spiel punktet mit logischen Gameplay-Mechaniken, dem fantastischen Energiemanagement und der grandiosen Entdeckerstimmung. Ein paar kleinere Physik-Kanten und Balanceschwächen im Skilltree sind vorhanden, trüben den insgesamt sehr positiven Eindruck jedoch kaum.

Wertung (Getestet)

  • Grafik & Atmosphäre: 8/10
  • Sound & Kulisse: 9/10
  • Gameplay & Energie-Mechanik: 8/10
  • Umfang & Langzeitmotivation: 8/10
  • Technik & Performance: 9/10

Vorläufige Gesamtwertung: 8,4 / 10

The Last Caretaker ist ein intelligentes, unverbrauchtes Survival-Highlight für alle, die strategischen Basenbau und dichte Postapokalypse-Atmosphäre zu schätzen wissen. Trotz kleinerer Kanten schon jetzt ein absoluter Geheimtipp für PC-Spieler.

Von Nico

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